Erste Hilfe Kurs für Offshore-Windpark Mitarbeiter

Auf Grund der besonderen Offshore-Risiken soll jeder Offshore-Tätige zumindest als Ersthelfer nach § 26 BGV/GUV-V A1 oder nach anderen vergleichbaren Regeln ausgebildet sein.

Der Ersthelfer im Betrieb ist ein ausgebildeter Laie, der als Erster am Ort des Geschehens geeignete Maßnahmen ergreift um akute Gefahren für Leben und Gesundheit abzuwenden.
Er darf auf dem Gebiet der Ersten Hilfe nur das tun, was seinem Ausbildungsstand entspricht. Er hat stets zu beachten, dass Erste Hilfe kein Ersatz für ärztliche Maßnahmen ist. In dem durch Aus- und Fortbildung gestellten Rahmen obliegt es ihm, bei Notfällen die notwendigen und zumutbaren lebensrettenden Sofortmaßnahmen zu ergreifen und den Verletzten oder Erkrankten so lange zu betreuen bis professionelle Rettungskräfte ihn übernehmen.

Die Ausbildung zum betrieblichen Ersthelfer erfolgt in einem acht Doppelstunden (16 UE) umfassenden Erste-Hilfe-Lehrgang.

Darüber hinaus sollte ein Teil der Ersthelfer zum Ersthelfer-Offshore weitergebildet werden. Er soll durch eine entsprechende, zusätzliche Weiterbildung in die Lage versetzt werden, vor Ort in der längeren Warte- bzw. Überbrückungszeit bei Offshore-Notfällen bis zum Eintreffen der Rettungskräfte weiterführende Erste-Hilfe-Maßnahmen durchzuführen.
Diese erweiterte Kompetenz des „Ersthelfers-Offshore“ setzt sich auf der Basis des Erste-Hilfe-Lehrgangs zum Ersthelfer im Betrieb zusammen aus
zusätzlicher Erste-Hilfe-Weiterbildung (mit 20 UE) einschließlich-


• ergänzter Ausrüstung und Anwendung von erweiterten Maßnahmen und
• Telekonsultation.

Regelmäßiges, jährliches Refresher-Training mit situationsgerechten Übungen gewährleistet schnelles und zielgerichtetes Handeln auch bei nur seltenen Notfällen. Die für Offshorearbeiter notwendigen sicherheitstechnischen Zusatzausbildungen sind Voraussetzungen für das Tätigwerden von Ersthelfern und Ersthelfern-Offshore in OWP.


Der Begriff „Telekonsultation“ bezeichnet im Zusammenhang mit der Erste-Hilfe-Leistung durch den Ersthelfer-Offshore eine notärztliche Beratung, Unterstützung und Betreuung, die mittels Einsatz von medizinischen Geräten z.B. Pulsoximeter und Informations- und Kommunikationstechnik ermöglicht wird. Das Spektrum der verwendeten Kommunikationstechnik reicht von der reinen Audio-Kommunikation über Sprechfunk-, Satelliten-, IP- und Handytelefonie bis hin zur bidirektionalen audio-visuellen Kommunikation (Videokonferenz) unter Einbeziehung eines Telemonitorings zur Vitaldatenübertragung und -überwachung.

Die Telekonsultation durch die Notfallleitstelle gliedert sich im Wesentlichen in folgende Bestandteile auf:

Erste Hilfe in Offshore Windparks

• Supervision der Ersten Hilfe-Maßnahmen
• Diagnose- und Indikationsstellung medizinischer Maßnahmen sowie die
• Fernüberwachung deren Durchführung
• Individuelle psychologische Unterstützung des Ersthelfers-Offshore
• Dokumentation und Auswertung

Telekonsultation zielt auf eine qualitative Verbesserung der Ersten Hilfe durch den Ersthelfer-Offshore und Erweiterung der Bandbreite möglicher Maßnahmen ab.
Der Telekonsultation könnte in Abstimmung mit dem Betriebsarzt durch eine Notfallleitstelle oder eine andere geeignete Einrichtung erfolgen.
Bisher fehlen spezifische Aus- und Fortbildungsstandards für Ersthelfer-Offshore und entsprechende abgestimmte Ausbildungsangebote. Deshalb führt die

„Weiterbildung zum Ersthelfer-Offshore“ ein entsprechend auf diese Einsatzfälle abgestimmtes Ausbildungskonzept (Inhalt und Umfang der Lehrgänge) sowie Empfehlungen für die Auswahl geeigneter Ausbildungsstellen auf.

Ersthelfer-Offshore sollten in folgender Anzahl zur Verfügung stehen:
• In Kleingruppen (z. B. Wartungstrupp auf Windenergieanalagen mit bis zu 3 Personen) immer 2 Ersthelfer-Offshore.
• Bei Gruppen mit mehr als 3 Personen sollten mindestens zwei Ersthelfer-Offshore pro 10 Personen anwesend sein 2 Ersthelfer-Offshore für je 10 Beschäftigte.

Bei Anwesenheit vieler Beschäftigter, z. B. auf Umspann- bzw. Wohnplattformen sollte darüber hinaus höher qualifiziertes Personal zur Ersten Hilfe anwesend sein, z. B. ein Rettungsassistent mit entsprechenden Kenntnissen für den Offshorebereich. Dies trifft auch zu, wenn erhöhte Unfallgefahren auftreten, insbesondere in der Errichtungsphase der Windparks.

Erste-Hilfe-Ausstattungen
Neben der erweiterten Qualifikation von Ersthelfern im Offshorebereich wird auch eine erwei-terte Ausstattung mit Erste-Hilfe-Material empfohlen.
Dabei ist nach personenbezogener Ausrüstung des Erste-Hilfe-Personals und dem Vorhalten von Ausrüstungs- bzw. Erste-Hilfe-Material vor Ort zu unterscheiden, z. B. in Windenergieanlagen oder auf Plattformen.

Als Zusatzausrüstung für den Ersthelfer-Offshore (teambezogen), wird folgendes empfohlen:
1. Augenspülflüssigkeit (geschlossenes, gebrauchsfertiges System)
2. AED mit EKG-Anzeige und Übertragungsmöglichkeit, spritzwassergeschützt
3. Beatmungsbeutel incl. Zubehör
    - Larynxtuben (Gr. 4/5)
    - Beatmungsmaske z. B. Pocket Mask
4. Ausrüstung für Telekonsultation
5. Pulsoximeter
6. Tourniquet
7. Schmerzmittel in Absprache mit dem Betriebsarzt und dem ärztlichen Leiter der betrieblichen Notfallleitstelle

Auf Windenergieanlagen ist folgende über den Inhalt des Betriebsverbandkastens nach DIN 13157 hinausgehende Zusatzausrüstung anzuraten:
1. Schienungsmaterial
2. HWS-Immobilisation
3. Decke
4. Aktiv wärmende Decke

Eine eventuell weitere Ausstattung mit Erste Hilfe Material hängt von der Gefährdungsbeurteilung ab, bedarf weiterer Weiterbildungsschritte und ist mit Betriebsarzt, Notfallleitstelle und Rettungskräften abzustimmen. Sie hat u.a. Einfluss auf die Organisation der Rettungskette und die einzubindende Telekonsultation.

Die Erste-Hilfe-Ausstattung und -Ausrüstung auf Schiffen ist bereits durch die Krankenfürsorgeverordnung auf Kauffahrteischiffen geregelt. Dies kann beim Transport des offshore-Personals mit Schiffen oder beim Einsatz von größeren Errichterschiffen berücksichtigt werden.
Hinsichtlich der räumlichen Ausstattung auf Umspann- oder Wohn-Plattformen wird ein Erste-Hilfe-Raum nach ASR A 4.3 „Erste-Hilfe-Räume, Mittel und Einrichtungen zur Ersten Hilfe“ angeraten.

Organisatorische Maßnahmen
Zentraler Bestandteil der Rettungskette-Offshore ist ein betrieblicher Alarmplan. Dazu gehören Angaben der Meldewege und Meldemittel sowie der Notrufnummer, die Reihenfolge von zu benachrichtigenden Stellen usw. Die entsprechenden Meldemittel (z. B. Mobiltelefon, Funknotruf) müssen funktionssicher vorgehalten werden.

Für den Notfall sind erforderliche Maßnahmen mit der für den OWP dafür zuständigen Stelle abzustimmen und die Informationen den Rettungskräften zugänglich zu machen. Die Beschäftigten sind hinsichtlich der besonderen Anforderungen an Notruf und Rettungsmaß-nahmen im Offshorebereich zu unterweisen.